Kafka goes Comic

Plakat zur Ausstellung in Leipzig
Plakat zur Ausstellung in Leipzig

Weltliteratur im schwarz-weißen Graphic Novel-Gewand: Das ist so neu nicht. Aber Kafka? Dessen Ängste und Visionen sich in düsteren Sprachbildern manifestiert haben? Die Wanderausstellung "Kafka in KomiKs", derzeit zu sehen im Museum für Druckkunst, zeigt gleich an drei Adaptionen: Es funktioniert. Denn das Werk des scheuen Tschechen ist nicht nur dunkel und bis heute nicht zu Ende gedeutet, sondern eben auch: schräg, fantastisch, voller Übertreibungen und Sex. Und damit prädestiniert, von fantasiebegabten Zeichnern zu neuem Leben erweckt zu werden.

 

Der Amerikaner Robert Crumb - bekannt für seine pornografisch angehauchten Comics - stellt Kafkas Leben und Werk in deftiger Manier dar. Seien es erotische Begegnungen mit dem anderen Geschlecht, die in der Ausstellung u.a. als Peepshow zu begutachten sind. Seien es die zahlreichen Selbstmordphantasien, die Kafka in seinen Tagebüchern ausbreitet. So fliegt bei Crumb dem erstaunt dreinblickenden Kafka glatt der Hut vom Kopf, als das "Selchermesser" in seinen Schädel fährt und "ganz dünne Querschnitte losschneidet". Diese und andere Szenen sind vielfach vergrößert auf einer weißen Wand angebracht, vor der ein unheilvoller Strick baumelt.

 

Auf den ausschweifenden Stil Crumbs folgen die holzschnittartigen Bilder von Jaromir 99, einem Landsmann von Kakfa.. Geradezu episch breitet sich in der Graphic Novel "Das Schloss" die Landschaft mit dem in Schnee eingebetteten Dorf vor dem "Landvermesser" aus, der mit dem Rücken zum Betrachter steht. Der strenge, stark auf Kontraste setzende Stil Jaromir 99s passt sehr gut zur klaren Sprache Kafkas, die wiederum im Kontrast zur Vielschichtigkeit der Gedankengänge von Kafkas Romanhelden steht. Jaromir 99 hat das Kafka-Fieber offenbar so sehr gepackt, dass er eine Band gegründet hat, um "Das Schloss" zu vertonen. Eine Kostprobe davon ist auch in der Ausstellung zu hören. Die Mischung aus gesungenem Tschechisch und gesprochenen deutschen Passagen aus dem unvollendeten Roman ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

 

Detailverliebter als beim "Schloss" kommt dann wiederum die Umsetzung der französischen Zeichnerin Chantal Montellier daher, die sich an "Der Prozess" gewagt hat - jenes Buch, in dem Josef K. eines Morgens scheinbar ohne Grund verhaftet und in ein undurchschaubares Gerichtsverfahren verwickelt wird. Wie bereits bei Crumb und Jaromir 99 verwendet auch Montellier ganz selbstverständlich das Konterfei Franz Kafkas, um dem Protagonisten ein Gesicht zu geben. Für alle drei Zeichner war offenbar klar, dass Kafka sich immer selbst spiegelte in dem, was er schrieb.

 

Graphic Novels als Zugang zu einem Autor, der vielen als schwer verdaulich gilt? So sieht es David Zane Mairowitz, der die Texte zu allen drei Comics beigesteuert hat. Für mich sind die schwarz-weißen Bilderreigen vor allem eine schöne Ergänzung, um ganz neue Facetten zu erschließen im mehrdeutigen Werk des Pragers.

 

Robert Crumb, David Zane Mairowitz: Kafka, Reprodukt 2013

Jaromír Jaromír 99, David Zane Mairowitz: Das Schloss, Knesebeck 2013

Chantal Montellier, David Zane Mairowitz: Der Process, Knesebeck 2013

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Kommentare: 2
  • #1

    Jacob (Dienstag, 21 März 2017 18:48)

    Jedes Jahr?

  • #2

    Phillip (Dienstag, 04 April 2017 15:15)

    Das merke ich mir für nächstes Jahr!