Auf Fledermausjagd im Schlosspark

Der NABU lädt bundesweit zur "Batnight": Vor der Auwaldstation haben sich 50 Leute versammelt - nicht, um sich in entsprechender Kostümierung im Schlosspark Lützschena zu verlustieren, sondern um von Frank Meisel und Marco Roßner mehr über heimische Fledermausarten zu erfahren. Die beiden Experten betreiben ein "Fachbüro für Fledermauskunde, Naturschutzplanung und ökologische Projektbegleitung" in Leipzig (www.hochfrequent.com).

 

Über verschiedene Stationen und bei langsam einsetzender Dunkelheit geht es durch den Schlosspark, der auf mich wie ein verwunschener Märchenwald wirkt. Kein Wunder, dass sich die Zwerg- oder Rauhhautfledermaus hier wohlfühlt. So mancher hat schon seine Erfahrungen mit den kleinen Tierchen gemacht. Ein Junge berichtet: "Im Urlaub ist eine Fledermaus gegen unser Haus geknallt und runtergefallen. Wir haben sie in ein Glas getan, fotografiert und dann wieder freigelassen." Auch in meiner Familie gab es einen Fledermaus-Fall: Meine Mutter fand eines Tages eine tote F. in unserem Auto, die sich offenbar dorthin verirrt hatte. Das Exemplar fristete daraufhin sein Dasein in unserer Anbauwand.

 

Mit Taschenlampen suchen unsere zwei Experten die Bäume nach geeigneten "Quartierstrukturen" ab, kleine Höhlen, Ritzen oder Spalten. Der Park mit seiner Mischung aus sehr alten und jungen Bäumen ist ein Paradies für Fledermäuse; geeignetes Futter in Form von Insekten schwirrt über die umliegenden Teiche und die Weiße Elster. Eines der größten Fledermausquartiere befindet sich allerdings in den Grünauer Plattenbauten, deren Flachdächer offenbar ziemlich gemütlich für die Tiere sind, die sich gern in Scharen aneinander kuscheln.

 

Jetzt springt auch der Fledermausdetektor an, ein Gerät, das die Ultraschall-Laute der Tiere für das menschliche Ohr hörbar macht und es auch ermöglicht, verschiedene Arten voneinander zu unterscheiden. Am nächtlichen Himmel schwirrt es hin und her, die Fledermäuse sind da!  An einer Brücke wird ein etwa 10x6 Meter großes sog. Puppenhaarnetz (s. Foto) befestigt. "Auf Netzfang gehen" heißt das in der Fachsprache, auf diese Weise können Untersuchungen über Art, Alter und Geschlecht der Tiere gemacht werden. Uns geht in dieser Nacht keine Fledermaus ins Netz, dafür lernen wir Leisleri kennen: Die Kleinabendseglerin (latein.: Nyctalus leisleri) lebt im Haushalt einer der beiden Fledermaus-Experten. Nach einer Verletzung kann sie leider nicht mehr fliegen, dafür dient sie jetzt als Vorführobjekt. Sehr klein und verwundbar erscheint sie, und trotzdem sehr lebendig, wie sie sich an der Hand ihres Halters entlanghangelt und sich hartnäckig gegen die Versuche wehrt, ihre Flügel in voller Pracht vorzuzeigen.

 

Was man selbst zum Schutz von Fledermäusen beitragen kann, die durch intensive Land- und Forstwirtschaft und die Vernichtung natürlicher Lebensräume gefährdet sind, erfährt man u.a. auf der Seite www.fledermausschutz.de. In diesem Sinne: Carpe noctem!

 

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