28. Februar 2016
Weltliteratur im schwarz-weißen Graphic Novel-Gewand: Das ist so neu nicht. Aber Kafka? Dessen Ängste und Visionen sich in düsteren Sprachbildern manifestiert haben? Die Wanderausstellung "Kafka in KomiKs", derzeit zu sehen im Museum für Druckkunst, zeigt gleich an drei Adaptionen: Es funktioniert. Denn das Werk des scheuen Tschechen ist nicht nur dunkel und bis heute nicht zu Ende gedeutet, sondern eben auch: schräg, fantastisch, voller Übertreibungen und Sex. Und damit prädestiniert,...
25. Januar 2016
Es geht nach oben, ins Freie. Die Stufen - unberührt, voller Schnee - scheinen verheißungsvoll. Ich könnte, möglichst leise, meine Fährte im samtenen Weiß hinterlassen. Ich könnte, oben angekommen, die unbekannte Aussicht genießen. Ich könnte, zurückblickend, das Tal aus einem neuen Blickwinkel betrachten ("O Captain! My Captain!"). Oder: Ich könnte auf den Stufen ausrutschen. Könnte stürzen. Nass werden. Mir womöglich das Genick brechen. Ich hinterlasse also nicht, möglichst...
11. Oktober 2015
Der ehemalige Tagebau in Cospuden war kurz nach der Stillegung Ende der 80er Jahre eine melancholisch-düstere Mondlandschaft, voller Berge, Täler und Krater. Marion Wenzel hat das damals in atmosphärischen Schwarzweiß-Bildern festgehalten; zehn Jahre später ging sie wieder mit dem Farbfilm los und dokumentierte den Wandel zum blühenden Neuseenland. Zu sehen ist diese Gegenüberstellung in der Ausstellung "Paradigma_Blickwechsel", die bis zum 30. Oktober im Tapetenwerk läuft...
25. August 2015
Die "Nacht der Kunst" steht vor der Tür. Das Konzept - leerstehende Lokale und Hinterhöfe in der Georg-Schumann-Straße werden für einen Abend mit Ausstellungen, Lesungen und Konzerten belebt - hat uns beim Besuch im vergangenen Jahr so begeistert, dass wir kurzerhand beschlossen, in diesem Jahr auch teilzunehmen (hier geht's zum Gesamtprogramm 2015). Wir, das sind meine Freundin Katrin, die bereits als Malerin seit Jahren in Leipzig und Umgebung ausstellt, und ich. Mit unserem...
27. Mai 2015
„Leipzig ist immer für eine Überraschung gut. Plötzlich zaubert die Stadt ein 1000-Jahr-Jubiläum aus dem Hut. Wie kann das sein? Schließlich hat sie doch 1965 ihren erst 800. Geburtstag gefeiert“, wunderte sich nicht nur die Stuttgarter Zeitung über das diesjährige Jubiläum mit den imposanten drei Nullen. Beim Rundgang durch die gerade eröffnete Ausstellung „1015. Leipzig von Anfang an“ im Neubau des Stadtgeschichtlichen Museums relativiert Kuratorin Maike Günther: Die „urbs...
21. Oktober 2014
Wer wissen will, wo er den besten Döner der Stadt bekommt, besucht die Website Dönerfreund.de. Für Leipzig sind dort 73 "Dönerbuden" aufgelistet, die von den Gästen mit Sternchen in den Rubriken Geschmack, Größe, Bedienung und Gemütlichkeit bewertet werden. Als ich vergangenen Sonntag mal wieder mit der Kamera unterwegs war und mein Magen um die Mittagszeit zu knurren begann, kehrte ich im "Lana Döner" auf der Lützner Straße ein. Die zwei Bewertungen auf Dönerfreund.de reichen von...
02. September 2014
„Wir gehen mal ganz kurz hier rein, ich will euch mal was zeigen“. Bei der Führung über den Leipziger Südfriedhof geht es an diesem Sonntag ziemlich assoziativ zu. Alfred E. Otto Paul, ein rustikaler Typ um die 60 mit verblichenen Tätowierungen auf den Unterarmen, läuft im Sauseschritt voran. Zwei Stunden hat er Zeit, um uns einen Einblick in seine Welt zu geben: Seit fast drei Jahrzehnten beschäftigt sich der „Sepulkralforscher“ mit dem Begräbniswesen der Stadt Leipzig. Vom...
10. Mai 2014
Die untergehende DDR in Schwarz-Weiß-Fotos festgehalten haben ja so einige Fotografen, aber wohl kaum jemand mit so viel Humor wie Harald Hauswald. Im Haus des Buches sind noch bis Ende Juni seine Fotos aus dem Band „Vor Zeiten. Alltag im Osten“ zu sehen, der im Leipziger Lehmstedt Verlag erschienen ist. Eines von Hauswalds bekanntesten Bildern: Die vor einem Regenguss flüchtenden Fahnenträger einer 1. Mai-Demonstration, Titel „Fahnenflucht“. Zur Vernissage am 7. Mai ist...
22. März 2014
Von der Bugra, der „Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik“, die 1914 mehr als 2,3 Mio Menschen nach Leipzig lockte, ist heute nicht mehr viel übrig: Ein Schienenstrang, auf dem eine „Panoramabahn“ die Leute umherkutschiert hat, oder die von Wilhelm Kreis entworfene „Halle der Kultur“ (heute: Alte Messe, Halle 16). Zwischen Deutschem Platz und Völkerschlachtdenkmal präsentierten damals auf 400000 Quadratmetern 22 Nationen ihre Leistungen und Produkte rund um...
02. März 2014
Einer meiner Lieblingsorte in Leipzig ist die Peterskirche in der Südvorstadt. Mit ihren spitzen, gezackten Türmen, den großen Buntglasfenstern und den Wasserspeiern bringt sie einen Hauch Notre-Dame de Paris nach "Klein-Paris". Schon ewig hatte ich mir vorgenommen, eine Führung mit Turmbesteigung mitzumachen - heute endlich ist es soweit. Über die "höchste freistehende Wendeltreppe Sachsens" soll es 88 Meter in die Höhe gehen. Zunächst ist aber erstmal eine Besichtigung der Kirche...

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